Gemeinsam für Nachhaltigkeit - Kooperation zwischen Naturpark-Umweltstation und Berufsschule Regen
Schulleben Berufsschule
Die Naturpark-Umweltstation hat im Januar 2026 ein Jahresprojekt im Rahmen der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) gestartet. Titel: „Ich.Wir.Natur – ein nachhaltiges Mosaik. Miteinander Lernen für Biodiversität und Kulturelle Vielfalt“. Ziel ist es, lokale Partnerschaften im Sinne eines nachhaltigen Miteinanders zu schaffen und auszubauen. Dabei werden Fragen gestellt wie: „Wie können wir gemeinsam nachhaltig für den Erhalt von Biodiversität wirtschaften?“ und „Welche Netzwerke braucht es dazu?“. Es werden Wertschöpfungsketten beleuchtet und gezielt Fachwissen zum Einsatz gebracht, um jungen Erwachsenen Orientierung an die Hand zu geben. Sie können vor dem Hintergrund aktueller
Entwicklungen ihre eigene Lebenswelt untersuchen: „Wie kann ich durch oder im Rahmen meiner Berufswahl und Orientierung eine lebenswerte Zukunft mitgestalten?“ In diesem Rahmen fand eine Kooperation mit der Berufsschule Regen mit den Klassen Metalltechnik und Schreinerwesen statt. Zu Beginn des Jahres wurde bei einem Einführungstag an der Berufsschule die Bedeutung der 17 Nachhaltigkeitsziele vermittelt. Die Jugendlichen konnten spielerisch selbst über eigene Werte und Zielkonflikte reflektieren. Aktiv selbst entscheiden und gestalten durften die Jugendlichen im Unterricht bei der Umsetzung von folgendem Auftrag: „Erstellt für die Handmahd zur Förderung der Artenvielfalt einen Amboss
und einen Dengelstock mit Sitzgelegenheit. Achtet auf die Verwendung von Ressourcen aus nachhaltigen Quellen.“ Für die Schreinerklasse lautete der Auftrag ähnlich, nur sollten diese die Sitzgelegenheit aus Holz anfertigen. Dazu war auch freie, unangeleitete Kommunikation zwischen den Klassen notwendig, was die Schüler direkt an die Herausforderung heranführte, die im echten Leben bei dem Zusammenwirken von unterschiedlichen Gewerken entsteht. Fachwissen, Recherche, Kritikfähigkeit, Genauigkeit und besonders soziale Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit waren hier gefragt. Daraus durften die Schüler dann selbst wie im echten Berufsleben üblich ein Pflichtenheft, eine Skizze, die technische Zeichnung und bevor es an die Fertigung ging, einen Arbeitsplan erstellen. Neben Frustration über Dinge, die nicht so leicht umzusetzen waren, erlebten die Schüler auch das Gegenteil: Die große Freude und Spannung, wenn endlich alles fertig ist und getestet werden kann. Die Ergebnisse konnten sich am Ende sehen lassen. Schließlich war der große Tag des Einsatzes der selbst erstellten Ambosse und Dengelstöcke gekommen. Zu diesem Praxistag im Areal der Seebachschleife von Dipl. Ing. Christoph Pfeffer war ein Experte eingeladen, der sich
seit Jahrzehnten der Sensenmahd und dem Dengeln, nebst der geschichtlichen Entwicklung unterschiedlicher Sensen und Ambosse, widmet. Georg Zellner gibt seit Jahren Sensen- und Dengelkurse für den Naturpark und hat selbst ein großes Areal, das er nur mit der Sense pflegt. Nach einer Begrüßung durch die Projektleiterin der Umweltstation Bayerisch Eisenstein, Christina Frank, wurde im Areal um die „Alte Schleif“ in der Seebachschleife nach der theoretischen Einführung unter der Anleitung von Georg Zellner in kleinen Teams gedengelt, gewetzt und gemäht. Im Mittelpunkt stand dabei die Tauglichkeit der eigenen, extra mitgebrachten Werkstücke aus der Berufsschule. Zum Austausch über den Prozess des Projektes, besonders dem eigenen Wirken der Schüler, wurde ein gemeinsames Feuer aus einem Funken entzündet, wobei man wieder beim Thema
war, porös geschmiedetes Eisen. Dass Dengeln im Grunde ein kalter Schmiedeprozess ist, wurde von den Schülern erkannt. Auch die Tiere und Pflanzen, die direkt von der Sensenmahd profitieren, waren Thema des Praxistages. Tatsächlich fanden sich auf der Wiese neben der
Schleif mehrere Flecken der Heidenelke, die man eigens zum Abblühen stehen ließ. Besondere Freude hatten an dem bunten Treiben nicht nur erstaunte Nachbarn „Wos, maht’s es do wieda mit da Sengsd?“, sondern Christoph Pfeffer, der mit den schönen Schlussworten
den Tag auf den Punkt brachte. „Am besten war heid die Gemeinschaft! Wenn verschiedene, gschickte Leid aus unterschiedlichen Gewerken zammhejfand, dann is so vej möglich: Metall und Hoiz. Do geht ebbs weida.“ Gedankt wurde vom stellvertretenden Schulleiter der Berufsschule, Markus Wallner, nicht nur den findigen Initiatoren des Projektes, Berufsschullehrer Georg Klein und Christina Frank von der Umweltstation, sondern auch den anderen mitwirkenden Lehrern, die mit viel Feingefühl den Schülern eigenen Handlungsspielraum gewährt hatten. Allgemeine Zustimmung fand der Beschluss, die Zusammenarbeit zwischen der Naturpark Umweltstation, der Berufsschule und der Seebachschleife zu verstärken und das gemeinsame Mähen jedes Jahr um die „Alte Schleif“ einzuführen. Begegnen kann man den Akteuren des Nachhaltigkeits-Projektes bei der großen Abschlussveranstaltung im Landwirtschaftsmuseum in Regen am 17. Oktober bei der Fachtagung „Nachhaltig wirtschaften – was bedeutet das?“ von 10 bis 16.30 Uhr. Dort wird neben einzelnen Fachvorträgen und Workshops zum Thema der Dokumentarfilm „Tian“
(deutsch: tun) des Südtiroler Filmemacher-Duos „Farmfluencers of South Tyrol“ gezeigt und live mit dem Kameramann Tom Schäfer diskutiert. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird beim Naturpark unter 09922-802480 gebeten, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.



















