Wissenschaftliches Arbeiten erleben – Seminargruppe der FOS Regen zu Gast an der Universität Passau
Schulleben Fachoberschule
Wie fühlt sich eine Vorlesung an? Wie recherchiert man wissenschaftliche Literatur? Und welche Anforderungen stellt ein Studium an selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten? Antworten auf diese Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der Seminargruppe der FOS Regen bei ihrem Besuch an der Universität Passau. Auf dem Programm standen der Besuch verschiedener Vorlesungen, eine Campusführung, Informationen zum Studienangebot sowie eine Einführung in die wissenschaftliche Literaturrecherche in der Universitätsbibliothek.
Der Hochschulbesuch war dabei weit mehr als eine Studienorientierung. Er verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern, warum wissenschaftliches Arbeiten weit über das Schreiben einer Facharbeit hinausgeht und welche Kompetenzen an einer Hochschule erwartet werden. Genau diese Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt der Seminarphase der 13. Jahrgangsstufe an der FOS Regen.
Die Seminarphase bildet den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten und begleitet die Schülerinnen und Schüler bei der Erstellung ihrer ersten wissenschaftlichen Arbeit. Sie ist bewusst als längerfristiger Lern- und Entwicklungsprozess angelegt und soll auf die Anforderungen eines Studiums oder einer anspruchsvollen beruflichen Ausbildung vorbereiten. Anders als häufig vermutet beginnt wissenschaftliches Arbeiten nicht erst mit dem Schreiben. Vielmehr lernen die Seminaristen Schritt für Schritt, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, geeignete Literatur zu recherchieren, Quellen kritisch zu bewerten, Ergebnisse zu strukturieren und diese nachvollziehbar zu dokumentieren.
Den Ausgangspunkt bildet ein wissenschaftliches Rahmenthema, aus dem die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer persönlichen Interessen eine eigene Forschungsfrage entwickeln. Die Bandbreite der angebotenen Rahmenthemen zeigt dabei eindrucksvoll, wie vielfältig wissenschaftliches Arbeiten sein kann.
Ein Beispiel hierfür ist das Rahmenthema „PrimaKlima – viele Wege, ein Ziel“. Hier setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit aktuellen Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes auseinander. Ziel ist es nicht nur, Ursachen und Folgen des Klimawandels wissenschaftlich zu untersuchen, sondern auch praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln. Im Hinblick auf den bevorstehenden Umzug in den Neubau entstehen dabei Projektideen, die einen konkreten Beitrag zur Weiterentwicklung der Schule als Klimaschule leisten können – etwa in den Bereichen nachhaltige Mobilität, klimafreundliche Ernährung, Energieeinsparung oder Abfallvermeidung.
Die aktuelle Seminargruppe im Fach Pädagogik/Psychologie arbeitet dagegen unter dem Rahmenthema „Zwischen Selbstdarstellung, Anerkennung und Unsicherheit – Öffentliche Wahrnehmung und psychologische Erfahrungen Jugendlicher in Bayern“. Im Mittelpunkt stehen Fragestellungen, die viele Jugendliche unmittelbar betreffen: Welchen Einfluss haben soziale Medien auf das Selbstbild? Welche Rolle spielen Likes, Vergleiche und öffentliche Wahrnehmung für das Selbstwertgefühl? Wie entstehen Unsicherheiten und welche psychologischen Mechanismen wirken dabei? Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten diese Themen wissenschaftlich, entwickeln eigene Forschungsfragen und führen – soweit möglich – eigene empirische Untersuchungen durch.
Mit der Neugestaltung der Seminarphase hat sich auch der Schwerpunkt der Bewertung verändert. Heute steht nicht mehr ausschließlich die fertige Seminararbeit im Mittelpunkt. Deutlich stärker als bisher werden die kontinuierliche Prozessbegleitung, regelmäßige Reflexionen sowie die Portfolioarbeit berücksichtigt. Die Seminararbeit selbst macht nun 40 Prozent der Gesamtbewertung aus, weitere 40 Prozent entfallen auf individuelle Leistungen während der Seminarphase und 20 Prozent auf die abschließende Präsentation mit Prüfungsgespräch. Damit rückt der Lernprozess stärker in den Mittelpunkt als das reine Endprodukt.
Diese intensive Begleitung zeigt sich in den zahlreichen Meilensteinen, die die Schülerinnen und Schüler im Laufe des Schuljahres bearbeiten. Von der Themenfindung über die Formulierung einer Forschungsfrage, die Literaturrecherche und die Erstellung einer Gliederung bis hin zu ersten Schreibproben und Probeseiten entsteht die Seminararbeit Schritt für Schritt. Lehrkräfte übernehmen dabei zunehmend die Rolle von Coaches, die den wissenschaftlichen Arbeitsprozess begleiten, Rückmeldung geben und die Schülerinnen und Schüler bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen.
Der Abgabetermin im Januar erscheint zu Beginn der Seminarphase meist noch weit entfernt. In den abschließenden Reflexionen zeigt sich jedoch jedes Jahr aufs Neue, dass gerade eine realistische Zeitplanung entscheidend für den Erfolg ist. Viele Schülerinnen und Schüler nennen rückblickend ein kontinuierliches Arbeiten als wichtigste Erkenntnis ihrer Seminarphase – eine Erfahrung, die sie auch im späteren Studium begleiten wird.
Der Besuch an der Universität Passau machte schließlich deutlich, dass die in der Seminarphase erworbenen Kompetenzen keine rein schulischen Anforderungen sind. Vorlesungen, wissenschaftliche Bibliotheksrecherche und der Austausch mit der Studienberatung vermittelten einen authentischen Einblick in den Hochschulalltag und zeigten, wie eng die Seminarphase der FOS Regen an den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens orientiert ist. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, junge Menschen auf ein erfolgreiches Studium und lebenslanges Lernen vorzubereiten.
Harald Ebner, OStR



















