Zwischen Fasching, Flamenco und Verantwortung - Landrat Dr. Ronny Raith diskutiert mit Abschlussklassen der FOS Regen über Politik, Alltag und Zukunft
Schulleben Fachoberschule
Regen. Mitten in der Faschingszeit und einen Tag vor einem professionellen Flamenco-Workshop wurde die Bühne der Fachoberschule (FOS) Regen zum politischen Podium: Landrat Dr. Ronny Raith und Kathrin Götz, Kommunale Jugendpflegerin, stellten sich den Fragen von 65 Schülerinnen und Schülern der Abschlussklassen.
Die stellvertretende Schulleiterin Annette Bauer sprach in ihrer Begrüßung von einer „Zeit des Aufbruchs“ – nicht nur für die Jugendlichen auf dem Weg zum Fachabitur, sondern auch für die Schule selbst: Zu Ostern 2027 soll der Ersatzneubau der Berufs- und Fachoberschule auf dem ehemaligen Rodenstockgelände bezogen werden. Der Landkreis investiere damit „nicht nur in Ziegelsteine“, so Bauer bildhaft, sondern in junge Menschen und ihre Zukunft. Diese Haltung griff Raith auf. Politik müsse dort beginnen, wo junge Menschen sind. Entsprechend niedrigschwellig setzte er den Rahmen: Er bot den Jugendlichen das Du an, ausdrücklich erlaubt wurde jede Frage – egal, ob „Wie stellt sich der Landkreis in puncto Nachhaltigkeit auf?“ oder „Trägt der Landratsfahrer eigentlich eine Schusswaffe?“
Der Gesprächseinstieg fokussierte dann die großen Herausforderungen des Landkreises im Jahr 2026: eine angespannte Haushaltslage, umfangreiche Bauprojekte sowie die Zukunft der Krankenhausstandorte Viechtach und Zwiesel. Entscheidungen, die nicht einfach seien und über die der Kreistag Ende des Jahres befinden müsse. Sein Appell an die Volljährigen im Raum: sich einzubringen, mitzudiskutieren – und vor allem wählen zu gehen.
Persönlich wurde es, als Schülerinnen und Schüler nach Raiths Weg in die Politik fragten. Dieser erzählte von seinem Jurastudium in Passau, seiner fast 20-jährigen Tätigkeit als selbstständiger Rechtsanwalt und davon, dass er zwar seit frühester Jugend ehrenamtlich und später auch politisch aktiv gewesen sei, die Berufspolitik aber nicht bewusst angestrebt habe. „So etwas kann man auch nur schwer planen“, gab er zu. Dennoch sei er Landrat aus vollster Überzeugung – das müsse man bei einem Pensum von 80 bis 100 Wochenstunden auch sein.
Der Landrat ist Dienstvorgesetzter von rund 430 Mitarbeitenden der Landkreisverwaltung, steht dem Verwaltungsrat der Medizinischen Versorgungszentren und der Arberlandkliniken mit über 1200 Beschäftigten vor, ist Verwaltungsratsvorsitzender der Sparkasse sowie Ansprechpartner für die Bayerische Staatsregierung, für Ministerien und für Partner aus dem Ausland. Das bedeutet: Aufstehen um 5.30 Uhr, Gespräche führen, täglich bis zu 120 E-Mails – Politik als Dauerlauf.
Auch schwierige Themen blieben nicht ausgespart. Raith sprach offen darüber, wie er mit Bürgerkritik umgeht, über klare Grenzen im Falle persönlicher Angriffe, über den Spagat zwischen privater Haltung und gesetzlicher Verpflichtung. Entscheidungen müssten erklärt und ausgehalten werden. „Man kann es leider nicht jedem recht machen“, betonte er. „Andererseits gehört es zu den großen Stärken unseres Rechtsstaates und unserer Demokratie, dass wir unterschiedlicher Meinung sein können und diese auch offen kundtun dürfen.“
Im Anschluss ging Götz auf die Aufgaben der Kommunalen Jugendpflege ein. Ihr Ziel ist es, Jugendarbeit im Landkreis zu unterstützen und zu stärken, indem sie Gemeinden und ehrenamtlich Engagierte vor Ort begleitet – etwa bei der Planung von Ferienprogrammen, bei Förderfragen oder bei der Organisation von Freizeiten und Events. Dies beinhaltet auch die Bereitstellung von Materialien – wie dem Spieleanhänger. Direkter Kontakt zu jungen Menschen entsteht vor allem dort, wo es noch keine strukturellen Angebote von Jugendzentren oder Vereinen gibt oder Jugendliche eigene Ideen umsetzen möchten. Götz‘ Aufgabenbereich umfasst zudem erzieherischen Jugendschutz, der sich, entgegen einem weitverbreiteten Missverständnis, auf Veranstaltungen und Medien bezieht, nicht auf Krisenhilfe oder Kindeswohlgefährdung.
So blieben nach gut anderthalb Stunden des Austauschs viele Eindrücke zurück – von politischen Entscheidungsprozessen ebenso wie von persönlichen Lebenswegen. Organisiert worden war das Gespräch von der Oberstudienrätin Elisabeth Marchl. Zum Abschluss bedankte sie sich mit kleinen Präsenten bei den Gästen – und entließ die Schülerinnen und Schüler mit dem Eindruck, dass Politik nicht fern, sondern greifbar sein kann. Manchmal sogar auf einer Bühne, die am nächsten Tag bereits dem Flamenco gehört.
Miriam Lange von der Pressestelle des Landratsamtes Regen
Zu den Bildern:
Landrat Dr. Ronny Raith und kommunale Jugendpflegerin Kathrin Götz im Gespräch mit den Abschlussklassen der Fachoberschule Regen. Rund 65 Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen zu Politik, Alltag und Zukunft zu stellen. Fotos: Miriam Lange / Landkreis Regen.