Zum Hauptinhalt springen
Schüler vor der Anne Frank Ausstellung

„Erinnern, fragen, handeln“ — Gespräch mit Daniel Stern an der Staatlichen FOS Regen

Am Freitag, dem 10. Juli 2026, stellten Schülerinnen und Schüler der Vorklasse und der 11. Klasse Sozial der Staatlichen Fachoberschule Regen viele Fragen — zu Gast war der jüdische Mitbürger Daniel Stern, der ihnen offen Rede und Antwort stand. Er berichtete über seinen Lebenslauf, die Geschichte seiner Familie und über jüdisches Leben in Deutschland und Israel.


Daniel Stern wurde 1950 in Basel geboren. Seine Familie lebte zuvor im Raum Düsseldorf; Ende der 1920er Jahre sahen sich Angehörige zur Flucht in die Schweiz gezwungen. Drei Tanten von Herrn Stern wurden von den Nationalsozialisten deportiert und fanden dabei den Tod. Vielen anderen Verwandten gelang es, zu emigrieren — unter anderem nach Südamerika, Nordamerika und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nach Israel.
Der Gast begann das Gespräch mit einer persönlichen Einordnung: Seine Kindheits- und Familiengeschichte, die Fluchtwege der Verwandten und die Lücken, die das Schweigen in der Familie hinterlassen hat. „Meine Mutter hat kaum über die Vergangenheit gesprochen“, berichtete Herr Stern. Vieles habe er erst durch eigene Recherche und durch Nachfrage bei Verwandten erfahren müssen.
Jüdisches Leben in Deutschland, so erläuterte Herr Stern, ist vielfältig organisiert. Er nannte die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) mit ihrer Vorsitzenden Frau Knobloch sowie die liberale jüdische Gemeinde, die derzeit unter anderem den Bau einer Synagoge plant. Herr Stern selbst feiert einige jüdische Festtage pro Jahr — etwa vier- bis fünfmal — und reist hierfür auch nach München.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war Israel. Herr Stern berichtete von seinen Besuchen dort — erstmals nach dem Sechstagekrieg — und zeigte den Schülerinnen und Schülern mit einer Karte die räumliche Dimension: Israel sei ungefähr so groß wie das deutsche Bundesland Hessen. Auf die Frage, ob er nach Israel auswandern würde, antwortete er deutlich mit „Nein“: Das Leben dort sei sehr teuer, und die Sicherheitslage belaste den Alltag. Die Menschen müssten häufig in Luftschutzräume flüchten, weil es immer wieder Bombenangriffe gebe.
Religiöse Praxis und Lebensregeln kamen ebenfalls zur Sprache. Die Schülerinnen und Schüler wollten zum Beispiel wissen, ob Schweinefleisch erlaubt sei — Herr Stern verneinte dies. Er erläuterte die Regeln zur koscheren Schlachtung, die völliges Ausbluten des Tieres verlange, und erklärte, dass bestimmte Fische ohne Schuppen sowie Krebstiere wie Garnelen nicht gegessen werden dürfen.
Die politische Lage und das Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen in Deutschland waren ein sensibles Thema. Herr Stern sagte, er trage in der Öffentlichkeit keine Kippa, weil er Anfeindungen fürchte und nicht provozieren wolle. Konkrete Angriffe habe er persönlich bislang nicht erfahren, dennoch müssten größere Treffen der jüdischen Gemeinde in München immer unter Polizeischutz stattfinden. Er unterstrich, wie wichtig es sei, wachsam zu bleiben und sich für demokratische Werte einzusetzen.
Ein zentrales Anliegen von Herrn Stern war die Erinnerungskultur: „Es darf sich nicht wiederholen“, betonte er. Schülerinnen und Schüler motivierte er, sich aktiv für Demokratie und gegen Rechtsextremismus einzusetzen — zum Beispiel durch Teilnahme an Demonstrationen und durch öffentliches Zeichen-Setzen.
Auch der schulische Umgang mit der NS-Zeit war Thema. Herr Stern erinnerte daran, dass während seiner eigenen Schulzeit kaum über Entnazifizierung oder die NS-Verbrechen gesprochen worden sei. Heute sei die NS-Zeit fester Bestandteil des Lehrplans — eine wichtige Entwicklung, die helfen könne, historische Verantwortung zu vermitteln.
Im Anschluss an den Vortrag besuchten die Klassen gemeinsam die Anne-Frank-Ausstellung in der Schulaula. Diese bot den Schülerinnen und Schülern vertiefende Einblicke in das Leben und Schicksal jüdischer Menschen während der NS-Zeit.


Die Veranstaltung und die Ausstellung wurde von Frau Naaf initiiert: Sie hatte Herrn Stern zur Staatlichen FOS Regen eingeladen und die Gesprächsrunde organisiert. Zum Ende des Besuchs dankte Frau Naaf Herrn Stern persönlich für sein Kommen und überreichte ihm ein kleines Dankeschön als Zeichen der Wertschätzung.
Das Gespräch und der anschließende Ausstellungsbesuch hinterließen bei den Schülerinnen und Schülern einen nachdenklichen Eindruck. Daniel Sterns Berichte aus persönlicher Erfahrung halfen, abstrakte historische Fakten mit einem konkreten menschlichen Schicksal zu verbinden. Die Veranstaltung machte deutlich: Erinnerung ist nicht nur Vergangenheit, sondern Verpflichtung für die Gegenwart.

Prof. Schulte vor Schülern

TH Deggendorf und FOSBOS Regen: Orientierung für den nächsten Schritt

Die langjährige Kooperation zwischen der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) und der FOSBOS Regen wurde auch in diesem Schuljahr erfolgreich fortgesetzt. Schulleiter Andreas Loibl begrüßte dazu erneut Prof. Dr. Stefan Schulte, der den Schülerinnen und Schülern der 11. Jahrgangsstufe wertvolle Einblicke in Studium und Berufsleben gab.
Prof. Schulte kennt den Bildungsweg der FOS aus eigener Erfahrung. Nach seinem Abschluss an einer Fachoberschule führten ihn das Studium an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften und einer Universität, Promotion sowie Tätigkeiten in der Wirtschaft schließlich an die TH Deggendorf. Diese vielfältigen Erfahrungen machten seinen Vortrag besonders praxisnah und authentisch.
Im Vorfeld konnten die Schülerinnen und Schüler ihre Fragen anonym einreichen. Themen waren unter anderem Studienwahl, Zulassungsvoraussetzungen, Auslandssemester, Partnerhochschulen sowie die Entscheidung zwischen Berufsausbildung, FOS 13, Hochschule für angewandte Wissenschaften oder Universität. Prof. Schulte beantwortete die Fragen offen, anschaulich und mit vielen persönlichen Erfahrungen, die den Jugendlichen wertvolle Orientierung für ihren weiteren Bildungsweg gaben.
Stellvertretende Schulleiterin Annette Bauer bedankte sich herzlich bei Prof. Dr. Schulte für sein langjähriges Engagement und die enge Zusammenarbeit mit der TH Deggendorf.


Foto: Prof. Dr. Stefan Schulte (TH Deggendorf) informierte die Schülerinnen und Schüler der FOSBOS Regen über Studienmöglichkeiten und den Übergang von der Schule an die Hochschule.

Schülergruppe

Grenzen überwinden und Gemeinschaft erleben – Exkursion der Sozialklassen in den Kletterwald St. Englmar

Einen besonderen Praxistag erlebten die Klassen F11S und F11SW der Fachoberschule Regen am 14.07.2026 bei einer Exkursion in den Kletterwald St. Englmar. Gemeinsam mit den Fachpraxislehrkräften Christian Ebner und Harald Ebner stellten sich die Schülerinnen und Schüler den unterschiedlichen Herausforderungen des Hochseilgartens.
Die abwechslungsreichen Parcours boten zahlreiche Gelegenheiten, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen, persönliche Grenzen auszuloten und Mut zu beweisen. Ähnlich wie während ihrer Praktika in sozialen Einrichtungen mussten die Jugendlichen Entscheidungen eigenständig treffen, Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und auch in anspruchsvollen Situationen konzentriert und besonnen bleiben.
Besonders beeindruckend war, dass sich mehrere Schülerinnen und Schüler trotz anfänglicher Höhenangst den schwierigen Kletterelementen stellten. Mit großem Durchhaltevermögen sowie der Unterstützung und Ermutigung ihrer Klassenkameradinnen und Klassenkameraden meisterten sie schließlich selbst anspruchsvolle Parcours. Dabei wurde deutlich, wie wichtig gegenseitiges Vertrauen, Motivation und Zusammenhalt für den gemeinsamen Erfolg sind.
Neben dem persönlichen Erfolg jedes Einzelnen stand vor allem das Miteinander im Mittelpunkt. Rücksichtnahme, gegenseitige Hilfe und das gemeinsame Bewältigen von Herausforderungen stärkten den Teamgeist innerhalb der Klassen. Genau diese sozialen Kompetenzen – Kommunikation, Verantwortungsbewusstsein, Empathie und Kooperation – spielen auch im fachpraktischen Unterricht sowie in den Praktika der Ausbildungsrichtung Sozialwesen eine zentrale Rolle.
Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, dass Lernen nicht nur im Klassenzimmer stattfindet. Praktische Erfahrungen wie diese fördern die Persönlichkeitsentwicklung der Schülerinnen und Schüler und verdeutlichen, wie eng fachliche und soziale Kompetenzen miteinander verbunden sind. Entsprechend positiv fiel auch das Fazit der Teilnehmenden aus: Der Tag im Kletterwald war nicht nur ein spannendes Erlebnis, sondern stärkte zugleich das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und in die Gemeinschaft der Klasse.

alle Absolventen

Abschluss an der Fachoberschule in Regen: Abschied hoch 88

Abschiedsstimmung bei der Zeugnisverleihung für die Absolventen der Fachoberschule Regen. Es herrschte gleich doppelte Abschiedsstimmung: 88 Schülerinnen und Schüler erhielten die Zeugnisse der Fachhochschulreife und der allgemeinen Hochschulreife; und zum letzten Mal fand diese Feier an einer Gastschule, der Siegfried-von-Vegesack-Realschule, statt. In einem Jahr wird der Abschluss schon im Neubau an der Zwieseler Straße gefeiert, wie Schulleiter Andreas Loibl sagte. In den Faschingsferien 2027 soll die Schule umziehen.

Lesen Sie weiter: Abschluss an der Fachoberschule in Regen: Abschied hoch 88

Impressionen:

Elternbeiratsvorsitzende Laila Witt als Klempner Mario gemäß dem Abitur-Motto „M-Abio Kart“ 

Die Schulbesten der 12. und 13. Klassen mit Schulleiter Andreas Loibl und Landrat Dr. Ronny Raith

Die Vertreter der SMV Rebecca Gebert, Mia Seidl und Julian Gruber mit Verbindungslehrer Alexander Meindl und stellvertretender Schulleiterin Annette Bauer

Die Schulband mit den Lehrern Reinhold Wilhelm und Alexander Meindl sowie den Schülern Jonathan Löfflmann und Tom Gigl

 

 

 

Schülergruppe in Passau

Wissenschaftliches Arbeiten erleben – Seminargruppe der FOS Regen zu Gast an der Universität Passau

Wie fühlt sich eine Vorlesung an? Wie recherchiert man wissenschaftliche Literatur? Und welche Anforderungen stellt ein Studium an selbstständiges wissenschaftliches Arbeiten? Antworten auf diese Fragen erhielten die Schülerinnen und Schüler der Seminargruppe der FOS Regen bei ihrem Besuch an der Universität Passau. Auf dem Programm standen der Besuch verschiedener Vorlesungen, eine Campusführung, Informationen zum Studienangebot sowie eine Einführung in die wissenschaftliche Literaturrecherche in der Universitätsbibliothek.
Der Hochschulbesuch war dabei weit mehr als eine Studienorientierung. Er verdeutlichte den Schülerinnen und Schülern, warum wissenschaftliches Arbeiten weit über das Schreiben einer Facharbeit hinausgeht und welche Kompetenzen an einer Hochschule erwartet werden. Genau diese Fähigkeiten stehen im Mittelpunkt der Seminarphase der 13. Jahrgangsstufe an der FOS Regen.
Die Seminarphase bildet den Einstieg in das wissenschaftliche Arbeiten und begleitet die Schülerinnen und Schüler bei der Erstellung ihrer ersten wissenschaftlichen Arbeit. Sie ist bewusst als längerfristiger Lern- und Entwicklungsprozess angelegt und soll auf die Anforderungen eines Studiums oder einer anspruchsvollen beruflichen Ausbildung vorbereiten. Anders als häufig vermutet beginnt wissenschaftliches Arbeiten nicht erst mit dem Schreiben. Vielmehr lernen die Seminaristen Schritt für Schritt, wissenschaftliche Fragestellungen zu entwickeln, geeignete Literatur zu recherchieren, Quellen kritisch zu bewerten, Ergebnisse zu strukturieren und diese nachvollziehbar zu dokumentieren.
Den Ausgangspunkt bildet ein wissenschaftliches Rahmenthema, aus dem die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer persönlichen Interessen eine eigene Forschungsfrage entwickeln. Die Bandbreite der angebotenen Rahmenthemen zeigt dabei eindrucksvoll, wie vielfältig wissenschaftliches Arbeiten sein kann.
Ein Beispiel hierfür ist das Rahmenthema „PrimaKlima – viele Wege, ein Ziel“. Hier setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit aktuellen Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes auseinander. Ziel ist es nicht nur, Ursachen und Folgen des Klimawandels wissenschaftlich zu untersuchen, sondern auch praxisnahe Lösungsansätze zu entwickeln. Im Hinblick auf den bevorstehenden Umzug in den Neubau entstehen dabei Projektideen, die einen konkreten Beitrag zur Weiterentwicklung der Schule als Klimaschule leisten können – etwa in den Bereichen nachhaltige Mobilität, klimafreundliche Ernährung, Energieeinsparung oder Abfallvermeidung.
Die aktuelle Seminargruppe im Fach Pädagogik/Psychologie arbeitet dagegen unter dem Rahmenthema „Zwischen Selbstdarstellung, Anerkennung und Unsicherheit – Öffentliche Wahrnehmung und psychologische Erfahrungen Jugendlicher in Bayern“. Im Mittelpunkt stehen Fragestellungen, die viele Jugendliche unmittelbar betreffen: Welchen Einfluss haben soziale Medien auf das Selbstbild? Welche Rolle spielen Likes, Vergleiche und öffentliche Wahrnehmung für das Selbstwertgefühl? Wie entstehen Unsicherheiten und welche psychologischen Mechanismen wirken dabei? Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten diese Themen wissenschaftlich, entwickeln eigene Forschungsfragen und führen – soweit möglich – eigene empirische Untersuchungen durch.
Mit der Neugestaltung der Seminarphase hat sich auch der Schwerpunkt der Bewertung verändert. Heute steht nicht mehr ausschließlich die fertige Seminararbeit im Mittelpunkt. Deutlich stärker als bisher werden die kontinuierliche Prozessbegleitung, regelmäßige Reflexionen sowie die Portfolioarbeit berücksichtigt. Die Seminararbeit selbst macht nun 40 Prozent der Gesamtbewertung aus, weitere 40 Prozent entfallen auf individuelle Leistungen während der Seminarphase und 20 Prozent auf die abschließende Präsentation mit Prüfungsgespräch. Damit rückt der Lernprozess stärker in den Mittelpunkt als das reine Endprodukt.
Diese intensive Begleitung zeigt sich in den zahlreichen Meilensteinen, die die Schülerinnen und Schüler im Laufe des Schuljahres bearbeiten. Von der Themenfindung über die Formulierung einer Forschungsfrage, die Literaturrecherche und die Erstellung einer Gliederung bis hin zu ersten Schreibproben und Probeseiten entsteht die Seminararbeit Schritt für Schritt. Lehrkräfte übernehmen dabei zunehmend die Rolle von Coaches, die den wissenschaftlichen Arbeitsprozess begleiten, Rückmeldung geben und die Schülerinnen und Schüler bei ihrer persönlichen Entwicklung unterstützen.
Der Abgabetermin im Januar erscheint zu Beginn der Seminarphase meist noch weit entfernt. In den abschließenden Reflexionen zeigt sich jedoch jedes Jahr aufs Neue, dass gerade eine realistische Zeitplanung entscheidend für den Erfolg ist. Viele Schülerinnen und Schüler nennen rückblickend ein kontinuierliches Arbeiten als wichtigste Erkenntnis ihrer Seminarphase – eine Erfahrung, die sie auch im späteren Studium begleiten wird.
Der Besuch an der Universität Passau machte schließlich deutlich, dass die in der Seminarphase erworbenen Kompetenzen keine rein schulischen Anforderungen sind. Vorlesungen, wissenschaftliche Bibliotheksrecherche und der Austausch mit der Studienberatung vermittelten einen authentischen Einblick in den Hochschulalltag und zeigten, wie eng die Seminarphase der FOS Regen an den Anforderungen wissenschaftlichen Arbeitens orientiert ist. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag dazu, junge Menschen auf ein erfolgreiches Studium und lebenslanges Lernen vorzubereiten.

Harald Ebner, OStR